Kommentar, 13.07.2020

Wie sieht die Arbeitswelt der Zukunft aus?

Mit unseren 5 Thesen auf dem Tisch und den Vordenkern von Eigenland an Board, wurde das Zukunftsszenario „Arbeit“ letzten Donnerstag aus verschiedensten Blickwinkeln diskutiert. Die wichtigsten Erkenntnisse der eineinhalb Stunden waren sicherlich, dass alle Teilnehmer die Notwendigkeit einer Veränderung in der Arbeitswelt sehen. In welchem Tempo und in welcher Radikalität dies jedoch stattfinden kann und wird – da ist man sich uneins. Vor allem über das Thema kulturelle Veränderung wurde viel diskutiert: So sahen die meisten Teilnehmer eine Veränderung in der Arbeits- und Führungskultur als notwendige Grundlage für ein flexibleres und selbstbestimmteres Arbeiten. Gleichzeitig brachten einige Teilnehmer ihre Erfahrungen ein, wie schwierig es ist, kulturelle Veränderungen in einem bestehenden System voranzutreiben. Andere schilderten wie die Corona-Krise innerhalb kurzer Zeit neue Denkräume eröffnet und „Undenkbares“ ermöglicht hat. Wie aber gelingt es diese Veränderungen zu stabilisieren und gleichzeitig für zukünftige Veränderungen offen zu bleiben? In einem Aspekt waren sich die Teilnehmer einig: dieser Prozess braucht Zeit und aktive Vorbilder, muss strategisch geplant und aktiv begleitet werden. 

Hier unsere 5 Thesen und die wichtigsten Erkenntnisse aus unserem Workshop:

These 1: Das Büro wird ein Ort der Gemeinschaft, der Identifikation und der Inspiration

Das Büro bringt Menschen, Erfahrungen, Ideen und Emotionen zusammen. Zukünftig wird nicht mehr das Büro der Standardarbeitsplatz sein, sondern ein wertvoller Ort, für den man sich bewusst entscheidet. Sei es, um gemeinsam mit Kollegen an Projekten zu arbeiten, Erfahrungen zu teilen, von anderen zu lernen oder einfach nur um sich zu sehen und auszutauschen. Der Erfolg dieses „Büros der Zukunft“ wird im Wesentlichen darauf basieren, dass die Mitarbeiter einen persönlichen Wert für sich wahrnehmen und schätzen. Für Unternehmen bietet das Büro die Möglichkeit ihren Mitarbeitern eine „Heimat“ zu geben, den speziellen Firmenspirit spürbar zu machen und Wertschätzung zu demonstrieren. Die Arbeitswelt der Zukunft soll Menschen dazu inspirieren außerhalb der gewohnten Normen zu denken und gemeinsam zu experimentieren.

Unsere Workshop-Erkenntnisse zu These 1:

Ja, das Büro wird zukünftig eher ein attraktiver Treffpunkt für Mitarbeiter sein – mit einem vielfältigen Angebot an Arbeits-, Kreativ- und Austauschmöglichkeiten. Dieses Angebot wird aber von den Mitarbeitern nur angenommen und erfolgreich im Unternehmen gelebt, wenn die Kultur dies erlaubt bzw. fördert. Eine entscheidende Rolle werden hier die Führungskräfte spielen, die als Vorbilder vorangehen und die neuen Arbeitsorte selbst proaktiv nutzen. Für Unternehmen ist es wichtig eine Vision vom zukünftigen Arbeiten zu entwickeln, klare Ziele für die neue Arbeitswelt der Zukunft zu definieren und diese mit ihren Mitarbeitern zu teilen.

These 2: Gesundheit und Zufriedenheit werden in der neuen Arbeitswelt wichtiger sein als Wohlstand und Status

Gesundheit und Zufriedenheit sind die wohl wertvollsten Güter des Menschen. Dieses Bewusstsein rückt immer stärker in den Fokus der Arbeitnehmer. Unternehmen sehen sich in Zukunft in der Pflicht Achtsamkeit als ein wichtiges Asset in ihrem Firmenzielen zu verankern. Hier ist die Förderung und Erhaltung der mentalen Gesundheit, beispielsweise durch eine wertschätzende Unternehmens- und Führungskultur, die Menschlichkeit in den Mittelpunkt stellt, ein wesentlicher Aspekt. Aber auch Themen wie eine ergonomische, schadstoffarme Umgebung, ein optimales Raumklima, ein gesundes Essensangebot, Sportmöglichkeiten, Hygienemaßnahmen und eine nachhaltig-ethische Gesamthaltung des Unternehmens gewinnen enorm an Bedeutung. Über den Erfolg oder Misserfolg der Aktivitäten wird dabei nicht entscheiden wieviel angeboten wird, sondern wie gut das Thema Gesundheit in der Unternehmenskultur und im Mindset der Führungskräfte verankert ist.

Unsere Workshop-Erkenntnisse zu These 2:

Gesundheit und Zufriedenheit werden zukünftig definitiv einen hohen Stellenwert in Unternehmen haben. Aber auch hier wird der Wandel Zeit brauchen. Die letzten Monate der Entschleunigung und Besinnung auf das Wesentliche, werden voraussichtlich schon bald wieder von dem gewohnten Streben nach Gewinnmaximierung und Status abgelöst werden. Innovative Unternehmen als Vorreiter einer neuen Arbeitswelt, die zeigen das Wohlbefinden, Gesundheit und der Wunsch nach sinnhaftem Arbeiten eine positive Geschäftsentwicklung nicht ausschließen, sind jetzt gefragt.

These 3: Der gesellschaftliche Beitrag steigert den Shareholder Value eines Unternehmens

Unternehmen, die einen Beitrag für die Gesellschaft leisten, werden zukünftig ein noch höheres öffentliches Ansehen genießen und damit attraktiver für Investoren, Anlegern und Konsumenten sein. Dabei geht es zum einen um die soziale und ökologische Nachhaltigkeit in der gesamten Wertschöpfungskette eines Unternehmens, aber auch darum, dem Mitarbeiter Zeit zu geben, sich für seine persönlichen sozialen Projekte oder Anliegen zu engagieren. Unabhängig davon, ob dies in der Pflege älterer Menschen, in der Familie oder Nachbarschaft, im Engagement für Bedürftige oder in ökologischen Projekten ist: Unternehmen, die ihren Mitarbeitern Zeit einräumen sich für die Gesellschaft zu engagieren, steigern ihre Wertschätzung sowohl nach innen als auch nach außen.

Unsere Workshop-Erkenntnisse zu These 3:

Eine Tendenz ist hier klar zu erkennen: mit Bewegungen wie „Fridays For Future“ oder „Black Lives Matter“ machen vor allem jüngere Menschen deutlich, dass sie die Zukunft mitgestalten und formen wollen. Das kann man auch auf die Arbeitswelt der Zukunft übertragen – bei den jungen Generationen steht die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Arbeit weit oben. Das Thema Nachhaltigkeit hat in den Firmen bereits einen hohen Stellenwert – inwiefern und wann weitere soziale Themen auf die Agenda rücken, wird sich zeigen. Wer als Arbeitgeber auch in Zukunft attraktiv bleiben möchte, sollte soziales Engagement aber auf dem Schirm haben – denn insbesondere junge Teilnehmer des Workshops wiesen darauf hin, wie ihre Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber von dessen gesellschaftlichen Einflusses beeinflusst wird.

These 4: Wir werden ein vielfältiges Angebot an dezentralen Arbeitsorten haben

Die Wahl des Ortes, an dem wir zukünftig arbeiten, wird geprägt sein von der Arbeitsweise, der persönlichen Präferenz und Rahmenbedingungen sowie dem Bedürfnis nach Gemeinschaftsgefühl. So kann zukünftig auch das Home-Office der präferierte Ort für die „normale“ Alltagsarbeit sein. Dank virtueller Kommunikation ist sowohl Teamarbeit als auch konzentriertes Arbeiten zu Hause kein Hindernis mehr. In Lebensphasen und Situationen, in denen das Zuhause nicht als Arbeitsort funktioniert, bietet dann ein Co-Working Büro in der nahen Umgebung, das jederzeit flexibel genutzt werden kann, eine gute Ausweichmöglichkeit. Co-Working Büros gibt es mittlerweile nicht mehr nur in Großstädten, sondern verbreiten sich gerade auch auf dem Land. In das firmeneigene Büro geht der Mitarbeiter ganz nach Bedarf, um Kollegen zu treffen, sich auszutauschen, kreativ im Team zu arbeiten oder um an einer inspirierenden Wissensveranstaltung teilzunehmen. Alles in allem kann der Mitarbeiter jedoch den für ihn passenden Arbeitsort jeden Tag selbstbestimmt wählen.

Unsere Workshop-Erkenntnisse zu These 4:

Das Thema „flexibles, ortsunabhängiges Arbeiten“ ist nach wochenlanger Home-Office Quarantäne aktueller denn je. Denn es hat sich gezeigt: Mitarbeiter im Home-Office sparen Anfahrtszeiten, sind oftmals produktiver und entwickeln in ihrer Selbstorganisation neues Verantwortungsbewusstsein. Aber es hat sich auch gezeigt, das soziales Miteinander und das „Wir-Gefühl“ auf der Strecke bleiben und dass sich kreative Team- und Entwicklungsarbeit deutlich mühsamer gestaltet. Deshalb gilt es innerhalb von Unternehmen die richtige Balance zu finden: flexibles Arbeiten im Home-Office oder an einem anderen, selbst gewählten Ort und geplantes Zusammenkommen im Büro.

These 5: Empathie wird die Haupteigenschaft einer erfolgreichen Führungskraft sein

Die emotionale Kompetenz der Führungskraft wird in den kommenden Jahren noch stärker über Erfolg oder Misserfolg eines Teams entscheiden. Teams, die nicht mehr an einem Ort zusammenarbeiten, brauchen eine Führungskraft, die Bedürfnisse und Anforderungen sowohl auf rationaler als auch auf emotionaler Ebene versteht und berücksichtigt.  Gerade in einer Arbeitswelt, die stark durch virtuelle Zusammenarbeit geprägt ist, entscheidet diese Fähigkeit einer Führungskraft über die Bindung des Mitarbeiters an das Unternehmen. In der physischen Welt können empathische Schwächen einer Führungskraft durch Teamzusammenhalt ausgeglichen werden – in der virtuellen Welt ist der Einfluss dieser Schwäche kaum zu kompensieren.

Unsere Workshop-Erkenntnisse zu These 5:

Über Empathie verfügen heute bereits die meisten Führungskräfte. im Hinblick auf ein „Führen auf Distanz“ können viele Führungskräftediese positive Eigenschaft noch gezielter einsetzen.  Hier können Unternehmen ansetzen und den Lernprozess ihrer Führungskräfte, z.B. mit Coaching, proaktiv fördern. Schließlich geht es einerseits um Verständnis, Fürsorge und Motivation, andererseits aber auch darum ein verlässlicher Ansprechpartner und Mentor zu werden, der Ziele klar kommuniziert, Orientierung bietet und Hilfestellung leistet.

Schreiben Sie uns gerne Ihre ganz persönlichen Gedanken zu diesem Thema an info@workingwell.com

Lesen Sie auch unseren Artikel „Workspace³ – wie ein positives Arbeitserlebnis Wohlbefinden und Gesundheit stärkt.“