Artikel, 19.06.2019

Ist Sinnhaftigkeit unsere neue Währung?

New Work. Dabei denken wir gerne an den lässigen Mittzwanziger im Lounge-Chair des firmeninternen Coffee-Shops. Mit Latte Macchiato in der Hand und Laptop auf den Knien jongliert er gekonnt neue Businessideen. Alternativ fallen uns auch Szenen wie der Google Mitarbeiter im Bällebad oder die AfterWork Kicker-Session ein.


Abseits dieser auf Hochglanz polierten New Work Bilder, zeigt die aktuelle „Gallup“-Studie jedoch: 87 % der Arbeitnehmer weltweit haben wenig bis keine emotionale Bindung mit ihrem Unternehmen. Zudem übertrifft der Anstieg der Krankheiten, die durch Arbeitsstress oder Arbeitsunlust verursacht werden, die Kalkulationen von Krankenversicherungen bei weitem und Burn-out und Depressionen sind bereits Normalität geworden. Plötzlich scheint es auch kein Zufall mehr, dass in vielen Sprachen das aktuelle Wort für Arbeit eine Ableitung des lateinischen Wortes „Tripalium“ – einem Folterinstrument – ist. In unserem verzweifelten Versuch der Tyrannei der „Cubicle Nation“, also einer Welt mit Zellenbüros und starren Hierarchien, zu entkommen, verwechseln wir oft Sinnhaftigkeit mit Spaß. Das befriedigt unsere Bedürfnisse zwar schnell, aber nur wenig nachhaltig.

Es gibt mehr als “Work hard. Play hard.”

Es ist an der Zeit, darüber nachzudenken was wir von unserer Arbeit wirklich erwarten und wie wir Arbeit erleben möchten.
Genügt uns Arbeiten egal wo, egal wann? Ist vollkommene Freiheit und Flexibilität Garant für unsere Zufriedenheit und Motivation? Oder sind wir wirklich engagiert, wenn aus unserer Passion reale Lösungen und Innovationen entstehen, die einen tatsächlichen Mehrwert erzeugen? Im Internet finden wir eine steigende Anzahl an Artikeln und Publikationen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Allein der Bestseller von John Strelecky “The big five for life” wurde bis 2018 drei Millionen Mal verkauft. Strelecky definiert hier eine klare Erfolgsformel: Mitarbeiter, die den „Sinn ihrer Existenz“ erkannt haben und ihre persönlichen und beruflichen Ziele bestmöglich vereinbaren können, sind der Schlüssel für Unternehmenserfolg. Nachvollziehbar? Der Return on Invest dieses Ansatzes überzeugt selbst schärfste Kritiker. Sehen wir Sinn in unseren Aufgaben und setzen uns mit Leidenschaft ein, so können wir Herausforderungen meistern, unseren Horizont erweitern und gehen gerne mal die “Extrameile” für unseren Job.

Von Work-Life-Balance hin zu Work-LifeBlending

Da bleibt nur noch die Frage, wie wir diese Bewegung zum Laufen bringen. Wie Autor und Vordenker Simon Sinek bereits so bedeutend sagte: “Beginne mit dem warum!” Keiner hat es seitdem besser auf den Punkt gebracht. Als Individuen müssen wir uns aus unserem gewohnten Hamsterrad heraus bewegen und auf unsere inneren Treiber hören, um zu verstehen was wir wirklich wollen. Denn nur dann können wir auch danach handeln. Als Unternehmen sollten wir unsere gelebte Unternehmenskultur überprüfen und hinterfragen, ob es an der Zeit ist, mehr als nur „ersetzbare Maschinen“ in unseren Mitarbeitern zu sehen. Wenn wir Raum für Intimität und soziales Miteinander schaffen, so Designer Barber und Osgerby, kann Arbeit sinnhaft und bedeutend erlebt werden. Denn letzten Endes geht es darum, wie verbunden wir uns mit uns selbst, mit unseren Mitmenschenund mit unsererUmgebung fühlen. Wenn Sinnhaftigkeit also die neue Währung ist – wie viel könnenSie heute schon ausgeben?


Drei Fragen, die Sie sich selbst stellen können:

– Wann fühle ich mich bei meiner Arbeit voller Energie?

− Wann habe ich das Gefühl meine Arbeit ist mühelos,aber gleichzeitig auch wirkungsvoll.

− Wie definiere ich Erfolg?

Drei Dinge, die Organisationen tun können, um sinnhaftes Arbeiten und New Work zu ermöglichen.

− Kommunizieren Sie das große Bild, indem Sie eine inspirierende Vision definieren. “Wir helfen den Planeten zu retten”

– mit dieser Vision steht man morgens sicherleicht auf.

− Brechen Sie das große Bild in einzelne Puzzlestücke: verdeutlichen Sie ihren Mitarbeitern wie sie mit ihrer täglichen Arbeit dazu beitragen können die gesetzte Unternehmensvision zu verwirklichen.

− Delegieren Sie Verantwortung, anstelle von Aufgaben. In dem Moment, in dem Mitarbeiter sich persönlich verantwortlich fühlen, sind sie mit Kopf und Herz bei der Sache.

Text: Carina de Lange

Schreiben Sie uns gerne Ihre ganz persönlichen Gedanken zu diesem Thema an info@workingwell.com

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